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Transnationale und globale Prozesse

Viele Untersuchungen von Migration und Integration konzentrieren sich auf die Situationen, in denen eine Auswanderungsentscheidung getroffen wird, und auf die Prozesse und Schwierigkeiten der Aufnahme in einem Ankunftskontext. Dabei bleibt oft unberücksichtigt, dass Ursachen und Gründe für Migration und deren Erfolg oder Scheitern nicht allein von den unmittelbar Betroffenen und den jeweiligen Auswanderungs- und Einwanderungsländern abhängen.

Hinter den Voraussetzungen für Migrationsentscheidungen und dem Gelingen von Integrationsprozessen stehen vielmehr auch geopolitische oder regionale politische Konstellationen, über den Weltmarkt vermittelte Abhängigkeitsverhältnisse bzw. Aufstiegsversprechen und transnationale politische, gesellschaftliche, religiöse, ethnische oder ökonomische Netzwerke.

In Teilen der Migrations- und Integrationsforschung hat dies dazu geführt, einen einzelstaatlichen Fokus zurückzuweisen und stattdessen transnationale Zusammenhänge zu betonen. Dabei wird festgehalten, dass dies häufig auch den Wahrnehmungen der jeweiligen Akteure – insbesondere auf Seiten derjenigen, die migrieren – besser entspricht als eine Zuschreibung von nationalen Identitäten. Zugleich darf ein solcher Perspektivwechsel nicht einfach als Entdifferenzierung in einen von allen geteilten globalen Handlungsraum verstanden werden, da die transnationalen Verbindungen selbst plural sind und zum Teil in Spannung zueinander stehen.

Es gilt deshalb zu berücksichtigen, dass Migration und Integration dynamische Prozesse in vielfältigen politischen und sozialen Räumen sind, die sich in vielen Fällen nicht über staatliche Grenzen erfassen lassen. Zudem enden bzw. beginnen Migration und Integration nicht mit dem eigentlichen Wanderungsereignis, das oftmals tatsächlich als Bewegung zwischen zwei Staaten zu beschreiben ist. Die Forschung muss deshalb zunächst reflektieren, inwiefern ihre Methoden und Gegenstände adäquat bestimmt sind, um zu verstehen, wie und in welchen Formen die zuvor genannten Faktoren notwendig 8 für die Erklärung von Migration und Integration eventuell bis hin zur je individuellen Wanderungsgeschichte sind.

Auf dieser Grundlage kann untersucht werden, wann und wie die transnationalen und globalen Faktoren Migration und Integration genau beeinflussen, welche Möglichkeiten zur Steuerung und Gestaltung über diese Faktoren bestehen bzw. welche Spielräume Einzelstaaten sowohl im Bereich der Regulierung von Auswanderung wie auch bei Fragen der Zuwanderung und Integration haben.

Ansprechpartner

Prof. Dr. Andreas Niederberger

Fakultät für Geisteswissenschaften
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