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Kultur und Religion

Kultur bietet Deutungsangebote für Erfahrungen und umfasst normative Angebote und Erwartungen für den Umgang mit wiederkehrenden lebensweltlichen Herausforderungen.

Dazu muss sie einerseits ein gewisses Maß an Stabilität und intersubjektiver Geteiltheit aufweisen, um zur Koordinierung von Handlungen beizutragen oder sogar zu Kooperationsmöglichkeiten zu führen. Andererseits muss sie dynamisch genug sein, um auf bislang nicht vorgesehene Situationen reagieren und die Perspektiven jeweils Betroffener berücksichtigen zu können. Mi-gration und die Integration von MigrantInnen waren immer wesentliche Gründe für die Transformation und Revision kultureller Gegebenheiten.

Ex post erscheinen solche Prozesse oft als Bereicherung und Fortentwicklung zu einer inklusiveren, reflektierteren oder sogar demokratischen Kultur. Die Prozesse selbst werden jedoch oft nicht so wahrgenommen, sondern stellen sich den Beteiligten durchaus als Zumutungen, Sinnverluste oder sogar existentielle Krisen dar. Selbstverständlichkeiten und religiöse Überzeugungen werden in Frage gestellt, was in vielen Fällen nicht zu deren Veränderung, sondern vielmehr zur aktiven Verteidigung von bis dahin bloß Hingenommenem führt.

Integration und Migration sind folglich als Triebkräfte kulturellen, religiösen und allgemein normativen Wandels zu untersuchen. Zugleich ist zu betrachten, dass und wie kulturelle, religiöse und normative Vorverständnisse den Umgang mit Integration und Migration prägen und zu deren Erfolg oder Scheitern beitragen. Die Bedeutung von Integration und Migration in Bezug auf Kultur und Religion ist deshalb vielschichtiger als deren Bedeutung in anderen gesellschaftlichen Teilsystemen. In einer differenzierten Betrachtung ist zu analysieren, wann Kultur und Religion als Ressourcen erhalten und genutzt werden und wann sie vielmehr Gefährdungen für Konfliktlösungen dar- 5 stellen. Hierbei kann insbesondere auch herausgestellt werden, ob und wie Kultur und Religion gezielt zur Steuerung von Migration oder zur Förderung von Integration (etwa durch das Bildungssystem) eingesetzt werden können.

Ansprechpartner

Prof. Dr. Hermann Josef Abs

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