Soziologisches Kolloquium am 08.01.: Vortrag zur Arbeitsmarktintegration Geflüchteter

Das Institut für Soziologie lädt in Kooperation mit InZentIM zum folgenden Vortrag im Soziologischen Kolloquium ein:

Arbeitsmarktintegration Geflüchteter: Spannungen und Ambivalenzen in lokalen Wohlfahrtsarenen

Thorsten Schlee & Katrin Menke (UDE)

Mittwoch, 08.01.2020, 14:15 – 16:00 Uhr

Campus Duisburg, LF 156

Angehörige aller Fakultäten sind herzlich zum hochschulöffentlichen Vortrag eingeladen.

Abstract
Die Fluchtmigration der vergangenen Jahre mit ihrer signifikanten Spitze 2015 rief neuerlich in Erinnerung, dass der nationale Sozialstaat nur wenig auf die dauerhafte Mobilität breiter Bevölkerungsgruppen eingestellt ist. Fragen der Portabilität von sozialen und kulturellen Kapital -wie die formale Anerkennung bzw. Entwertung von Bildungsabschlüssen und Berufsqualifikationen- sindkeine Problemstellungen die erst 2015 entstanden sind. Andauernde grenzüberschreitende Migration setzt die nationalstaatlich verfassten sozialen Sicherungssysteme unter dauerhaften Anpassungsdruck. Vor diesem Hintergrund untersucht die Forschungsgruppe Migration und Sozialpolitik in insgesamt vier Einzelprojekten, wie lokale sozialpolitische Akteure auf Fluchtmigration reagieren und wie Geflüchtet die lokalen Gegebenheiten und Leistungen für sich nutzen. Eine der am häufigsten thematisierten Fragen in diesem Kontext ist die Integration Geflüchteter in Arbeit. Das wissenschaftlich-politische Interesse an der Mobilisierung Geflüchteter folgt den Leitlinien eines aktivierenden Sozialstaates. In ihrem Beitrag stellen Katrin Menke und Thorsten Schlee mit der „Koproduktion lokaler Sozialpolitik für und durch Geflüchtete“ ein mehrdimensionales Analyseraster vor. Es fasst nicht nur die institutionellen Rahmungen (Zuständigkeitsverteilungen, involvierte Akteure, Zuweisung von Aufenthaltstiteln) und deren lokale Umsetzung im politischen Mehrebenensystem sondern auch, wie unterschiedliche und sich überschneidende Inklusionschancen und Exklusionsrisiken an Personen zusammenwirken. Sichtbar werden derart Spannungsverhältnisse und Ambivalenzen in Prozessen der Arbeitsmarktintegration Geflüchteter.

Zu den Vortragenden
Dr. Katrin Menke (Sozialwissenschaftlerin) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen und Mitglied der Forschungsgruppe »(Flucht-) Migration und Sozialpolitik«. In ihrem dort angesiedelten Habilitationsprojekt forscht sie zur Arbeitsmarktintegration geflüchteter Frauen in Deutschland. Studium in Düsseldorf und Berlin, Tätigkeiten in Forschungseinrichtungen und im Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Promotion im hochschulübergreifenden Kolleg »TransSoz: Leben im transformierten Sozialstaat« der Universität Duisburg-Essen zur Wahlfreiheit erwerbstätiger Mütter und Väter. Das Buch erschien 2019 bei Transcript. Ihre Schwerpunkte in Forschung und Lehre sind soziale Ungleichheiten aus intersektionaler Perspektive, Familien-, Sozial- und Arbeitsmarktpolitik im Wandel sowie (kritische) Migrationssoziologie und Asylpolitik.

Dr. Thorsten Schlee (Politikwissenschaftler) leitet die Forschungsgruppe “(Flucht-) Migration und Sozialpolitik“ am Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen. Zuvor arbeitete er unter anderem als pädagogischer Mitarbeiter mit jungen Erwachsenen im Übergang Schule-Beruf, als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der an der Universität Duisburg-Essen, an der Hochschule Düsseldorf und an der Technischen Hochschule Köln. In seiner Promotion beschäftigte er sich mit Fragen wissenschaftstheoretischer und politischer Repräsentation (Muster der Repräsentation – Zur Krise und Permanenz einer semantischen Figur, 2015). Er forschte zu nahräumlichen Partizipations- und Gestaltungsmodellen in verschiedenen sozialpolitischen Feldern, etwa zu sozialräumlichen Integrationsmodellen, wie auch zu lokalen Netzwerken im Übergang Schule-Beruf. Sein aktuelles Projekt bewegt sich im Spannungsverhältnis von (Flucht-)Migration und nationaler Wohlfahrtsstaatlichkeit und untersucht Formen der Koproduktion lokaler Arbeitsmarktpolitik durch Geflüchtete.