Erste Ergebnisse der German Emigration and Remigration Panel Study (GERPS)

Mit welchen Motiven verlassen deutsche Staatsbürger*innen die Bundesrepublik? Was sind die persönlichen Konsequenzen von Auswanderung? Und wer kommt warum zurück?

Die German Emigration and Remigration Panel Study (GERPS) untersucht seit 2018 am Beispiel der Auswanderung aus Deutschland und der Rückwanderung nach Deutschland die individuellen Konsequenzen internationaler Migration für den weiteren Lebensverlauf. Während sich die Migrationsforschung traditionell auf die Untersuchung der Integration von Zuwanderer*innen in die Aufnahmegesellschaft konzentriert hat, werden die Konsequenzen der Mobilität in der German Emigration and Remigration Panel Study insbesondere durch einen Vergleich mit der nicht-mobilen Bevölkerung der Herkunftsgesellschaft sowie als Ergebnisse individueller Lebensverläufe untersucht.

In enger Kooperation mit dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) untersucht das UDE-Projektteam um Prof. Dr. Marcel Erlinghagen die Konsequenzen internationaler Migration entlang von vier Dimensionen des Lebensverlaufs: Erwerbstätigkeit und Einkommen, Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit, Partnerschaft und Familie sowie soziale Beziehungen und gesellschaftliche Partizipation.

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Nun wurden erste Ergebnisse des DFG-geförderten Forschungsprojekts durch Prof. Dr. Erlinghagen und Prof. Dr. Schneider (BiB) in Berlin vorgestellt.

Über 10.000 deutsche Staatsbürger*innen, die zwischen Juli 2017 und Juni 2018 ins Ausland gezogen oder aus dem Ausland nach Deutschland zurückgekehrt waren, wurden zu den unterschiedlichen Untersuchungspunkten befragt.

In der Vorstellung der ersten Studienergebnisse wurde zunächst festgestellt, dass die internationale Mobilität deutscher Staatsbürger*innen im OECD-Vergleich relativ hoch und gleichzeitig größtenteils temporär ist: Jedes Jahr verlassen durchschnittlich 180.000 Personen aus der untersuchten Gruppe das Land; 129.000 Personen kehren im gleichen Zeitraum nach Deutschland zurück. Gegenwärtig leben ca. 4 Millionen deutsche Staatsbürger*innen im Ausland.

Die Forschenden konnten weiter festhalten, dass insbesondere junge und akademisch ausgebildete deutsche Staatsbürger*innen international mobil sind. Das Durchschnittsalter der Befragten beträgt 36,6 Jahre, 76 % der untersuchten Personen verfügen über einen Hochschulabschluss.

Die Forschenden halten zudem fest, dass berufliches Weiterkommen den häufigsten Grund für einen Umzug ins Ausland darstellt: 58 % der Befragten geben berufliche Gründe als Motivation an. Es konnte zudem ein deutlicher finanzieller Gewinn durch ein höheres Nettoeinkommen im Ausland festgestellt werden. Nach beruflichen Motiven wurden der persönliche Lebensstil sowie partnerschaftliche Gründe am häufigsten genannt. Prof. Dr. Erlinghagen: „Es liegt immer ein ganzes Motivbündel zugrunde […]. Innerhalb dessen spielen berufliche Gründe jedoch eine zentrale Rolle. Der Weg ins Ausland ist chancengetrieben – es gehen […] diejenigen, die schon in Deutschland erfolgreich waren und den nächsten Karriereschritt planen.“

Zuletzt kommt die Studie aktuell zu dem Schluss, dass die internationalen Migrationsbewegungen deutscher Staatsbürger*innen nicht in die Richtung eines „brain drain“, also eines dauerhaften Verlustes von Fachkräften, weisen. Insbesondere die hohen Rückwanderungszahlen werden vielmehr als Zeichen von „brain circulation“ und einer „ausgeglichenen Qualifikationsstruktur“ durch internationale (R)Emigration deutscher Staatbürger*innen angesehen.

Quelle: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung