Nachlese zum Auftaktworkshop der Forschungsnachwuchsgruppe Migration und Sozialpolitik

Die IAQ-Forschungsnachwuchsgruppe Migration und Sozialpolitik. Studien zur Governance, Gestaltung und Nutzung von (lokaler) Sozialpolitik im Zeichen der Flüchtlingsmigration veranstaltete am 31.01.2018 ihren Auftaktworkshop im Gerhard- Mercator-Haus der Universität Duisburg-Essen. Mehr als 60 Teilnehmer*innen diskutierten mit den Forscher*innen über lokale Herausforderungen und Forschungsanliegen im Feld kommunaler Sozialpolitik für Geflüchtete.

Prof. Dr. Ute Klammer, geschäftsführende Direktorin des IAQ, die die Projektmittel im Rahmen des Fördernetzwerkes Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (FIS) des BMAS akquiriert hat, betonte in ihren Grußworten die gute Zusammenarbeit mit Flüchtlingsforschungsprojekten am IAQ wie auch mit anderen Projekten und Personen an der Fakultät für Gesellschaftswissenschaften und nicht zuletzt die Netzwerke des InZentIM, die den vier Forscher*innen ein optimales Arbeitsumfeld böten.

Dr. Thorsten Schlee, Leiter der Forschungsgruppe hob hervor, wie bedeutend es sei, den lokalen Umgang mit Flucht im Kontext sozialstaatlicher Politiken aus der Perspektive von Nutzer*innen zu fassen. Insgesamt werden in den kommenden drei Jahren in den vier Einzelprojekten 15 Kommunen untersucht. Die Forschungsgruppe wird damit einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung lokaler Flucht- und Sozialpolitikforschung leisten.

Prof. Dr. Hannes Schammann (Universität Hildesheim) hob in seiner Keynote zunächst die Varianz kommunaler Flüchtlingspolitik hervor. Dies betreffe etwa die Verlängerung der „Duldung“, die Umsetzung verschiedener Unterbringungs- und Wohnmodelle, die Ausgabe von Sozialleistungen und den Zugang zu und Umfang von Gesundheitsleistungen. Die Kommunen hätten hier einen großen Handlungsspielraum, den sie sehr unterschiedlich nutzen. Der „local turn“ in der Migrations(politik)forschung beschreibe eher ein gewachsenes Forschungsinteresse als empirisch neue Aufgaben von Kommunen. Zugleich aber ließen sich Tendenzen der kommunalen Geflüchtetenpolitik erkennen, die über diese Unterschiede hinausgehen. So fokussierten kommunale Politiken fast durchweg die Bereiche von Sprachbildung und zügiger Arbeitsmarktintegration. Administrative Lösungen tendierten in Richtung einer Zusammenlegung verschiedener getrennter Funktionen. Es mehrten sich zudem die Anzeichen, dass auch Flüchtlingspolitik sich mehr und mehr an zugeschriebenen Leistungskriterien orientiert.

In der anschließenden Podiumsdiskussion verwies Christiane Bainski (LaKI-NRW) auf die Aufgabe, Bildungsmöglichkeiten auch unabhängig vom jeweiligen Aufenthaltsstatus zu gewähren und damit Zukunftschancen zu eröffnen. Birgit Naujoks (Flüchtlingsrat NRW) hob hervor, dass Fluchtzuwanderung nicht nur unter Kriterien gesellschaftlicher Nützlichkeit zu fassen sei, während Prof. Dr. Dorothee Frings (Hochschule Niederrhein, djb e.V.) auf die Situation geflüchteter Frauen aufmerksam machte und den Einsatz des Deutschen Juristinnenbundes in diesem Feld hervorhob. Prof. Dr. Haci-Halil Uslucan (UDE, SVR, ZfTI) betonte die nicht erst durch die Fluchtbewegungen der vergangenen Jahre entstehende Daueraufgabe, interkulturell anschlussfähige soziale Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen.

Schließlich diskutierten die anwesenden Praktiker*innen und Wissenschaftler*innen die Einzelvorhaben der vier Duisburger Forscher*innen. Während Sandrine Bakoben in vier Kommunen die Nutzung von Bildungsangeboten durch Geflüchteten aus Subsahara Afrika untersucht, beschäftigt sich Andrea Rumpel mit den Bedürfnissen und dem Gesundheitsempfinden von Geflüchteten  im Rahmen lokaler Gesundheitspolitik am Beispiel von Substanzkonsum. Katrin Menke fragt, welchen geschlechtsspezifischen und rassistischen Klassifikationen geflüchtete Frauen in den Prozessen der Arbeitsmarktintegration womöglich ausgesetzt sind. Thorsten Schlee schließlich erforscht Formen lokaler Handlungskoordination in der Arbeitsmarktpolitik und fragt, inwieweit Geflüchtete hier repräsentiert werden.

Weitere Informationen zur Forschungsgruppe finden Sie hier. Einen Beitrag der WAZ finden Sie hier.